Episode 1

-Liebe-

1. Akt:

Der Künstler betritt die Bühne.
Ein Blick nach rechts, einer nach links.
Das Orchester beginnt zu spielen:

Der Künstler stellt sich vor:
„Mein Name ist Traurigkeit. Sie alle kennen mich, sie alle verabscheuen mich. Ich jedoch nehme keine Rücksicht. Mir widerstrebt es, darauf zu achten, wer mich ertragen, wer mit mir umgehen oder wer mich einfach wieder abschütteln kann. Nur Kinderherzen möchte ich verschonen. Auch wenn es nicht immer möglich ist, aber, und das möchte ich ganz deutlich sagen, Kinderherzen werden von mir nur im Auftrag derer gebrochen, die vergessen haben, was zu schützen wichtig ist.“

2. Akt:

Ein Mädchen betritt die Bühne.
Ein Blick zum Himmel, einer in ihre leeren Hände.
Das Orchester spielt weiterhin.

Das Mädchen spricht zum Publikum:
„Mit diesen Händen hielt ich fest, was nicht festzuhalten war. Nur einen kurzen Moment verweilte ich in dem Glauben, dass das Sein sich, so wie es mir in der Quantenphysik gelehrt wurde, durch reine Vorstellungskraft manifestiert. Leider wusste ich nicht, dass die Welt um mich herum nicht logischen Befehlen meines Hirns gehorcht und auch nicht den Sehnsüchten meines Herzens Gehör schenkt. Es entsteht allein durch die Ängste meiner Seele.“
Die Traurigkeit schreitet leise im Hintergrund auf und ab.

3. Akt:

Ein Junge betritt die Bühne.
Ein Blick zum Mädchen, einer auf den Boden.
Das Orchester spielt weiterhin.

Er spricht zu dem Mädchen:
„Liebste, dir zu nehmen, was du mit allen Kräften beschützen wolltest, war nicht schwer. Dir einen gleichwertigen Ersatz zu schenken erscheint mir unmöglich.“
Die Traurigkeit richtet sich auf. In der einen Hand hält sie ein schwarzes Tuch, in der anderen eine kalte Flamme. Die Traurigkeit erlischt die Flamme mit dem Tuch. Das Tuch fängt Feuer und brennt für wenige Sekunden hell und warm, dann zerfällt es zu Asche und Staub.
Das Mädchen spricht:
„Liebster, ein Gedanke an dich reicht, um in mir zu wecken, was ewig schlief. Ich habe dir gegeben, was mich nährt, nun ist es an dir, mir Flügel zu schenken, oder mich in Ketten zu legen. Ertränke mich in der kalten Dunkelheit deiner lieblosen Seele oder lasse mich erstrahlen im Glanz deines sonnigen Herzens. Zwei Gesichter hast du gesagt, wirst du mir offenbaren, nun zeige mir, welchem ich in Zukunft gegenübertreten werde.“

4. Akt:

Ein Junge und ein Mädchen stehen, sich umarmend, auf der Bühne.
Sie blicken einander über die Schulter. Das Mädchen lächelnd, der Junge mit gesenktem Blick.
Das Orchester spielt nicht mehr.

Die Traurigkeit nimmt die Asche des verbrannten schwarzen Tuchs und malt damit auf den Boden der Bühne einen Kreis um das Paar. Die Traurigkeit wendet sich dem Publikum zu und spricht:
„Seht meine Hände! Wieder habe ich sie beschmutzt um zu schützen, was ich sonst zerstören würde. Und ihr sitzt dort und verachtet mich? Was ist euer Lächeln wert, wenn ihr nicht schafft zu schützen, was so wichtig ist? Mein Name ist Traurigkeit und ihr alle habt Angst vor mir!“
Die Traurigkeit verlässt die Bühne. Kurz sieht man noch das sich umarmende Paar, dann erlischt das Licht.

Keine Zugabe.

-Ende-

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