Episode 9

-Balkan-

Dämmerung:

Wie in einem jubelndem Kleid aus Licht, warmen mediterranem Licht, dass sich in den sommerlichen Wellen des steinigen Ufers spiegelt, bewegt sich ihr Körper zum Takt. Schritt um Schritt, Drehung um Drehung. Flammende Augen zerfleischen meine hilflose Seele mit souveräner Leichtigkeit. Ein Lächeln so schön und stolz wie die Berge ihrer Heimat besiegt meinen Blick. Ich schaue in mein Glas. Die Musik wird lauter. Ihre Bewegungen werden schneller.

Sternenhimmel:

Meine Augen beobachten die stille Bucht. Hinter mir spielt die Musik. Vor mir schlängelt sich warmer Wind durch karge Zypressen und streichelt mein Gesicht mit seinem salzigem Atem. Tanzende Schritte nähern sich. Ich nehme einen Schluck aus meinem Glas. Diesen einen Schluck, der mir nimmt, an was ich mich den ganzen vorherigen Abend habe festhalten können.
Zarte Haut berührt meine Hände, weiches Haar legt sich auf meinen Nacken. Tanzen ist nichts, das mich begeistert. Tanzen ist nichts, dass ich gut kann. Tanzen vor Fremden mit einer Fremden. Nichts wird mich dazu bewegen, meinen Platz hier an den Klippen zu verlassen. Nichts! Niemals!

Laternenhimmel:

Tanzen! Noch nie in meinem Leben habe ich mich so lebendig gefühlt. Tanzen ist der Sinn meines Lebens. Tanzen! Flammende Augen verbrennen meine Fusssohlen. Jede Sekunde, die ich ausruhe, wird zu einer schmerzhaften Rast. Die schönsten Zähne der Welt lächeln mich an. Mit offenem Mund bewegt sich mein Körper zu Klängen, die ich zuvor noch nie gehört habe. Klänge, die meine Seele tragen, als seien sie das Echo meines Herzschlags. Fingernägel schneiden sich voller Leidenschaft in meine Taille und malen blutige Liebesbekenntnisse auf meinen Rücken. Ich, das Raubtier, werde von meiner eigenen Beute zerfleischt. Ich, das Alphatier, folge jedem ihrer fremden Schritte. Kreisende Hüften nehmen mir die Kraft zu atmen, klatschende Hände wecken mich wieder auf.

Sonnenaufgang:

Erschöpft sitze ich an einem leeren Tisch und beobachte wie die Sonne durch ein tanzendes Lächeln entzündet wird und dankbar den Himmel hinauf klettert. Ihr Lächeln! Wunderschöne Hände jonglieren mit meinem Herzen, meiner Seele und meinem Verstand. Braungebrannte Schultern bewegen sich sanft wie Engelsflügel durch den lauen Morgen. Langsam schließen sich meine Augen und ich spüre wie noch immer der Takt des Südens meine Ohren verzaubert. Nach und nach entfernt sich die Melodie. Was bleibt ist der ruhige Rhythmus meines Atems und der Duft des Meeres. Und ihr Lächeln.

Sonne:

Grelles Licht schreit mir ins Gesicht. Zeit, aufzubrechen. Ich sammle meine Seele und meinen Verstand ein. Schon beginnt meine Rückreise in die Heimat. Mein Herz ist nicht zu finden. Dafür wohnt in mir nun etwas, dass mindestens genau so wundervoll ist und mir Leben schenkt. Ich sehe es jedes Mal, wenn ich meine Augen schließe. Und dann höre ich auch diese Melodie. Ihre Melodie…

kolo

-Ende-

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