Episode 5

-Geduld-

Es war ein Mal…

…ein Mädchen. Stumm stand es am Türrahmen, den Kopf seitlich an das vergilbte Holz gelehnt. Vergeblich suchte ihr Blick die gegenüberliegende Wand ab. Eine gezeichnete Wand voller Narben und Flecken. Eine Wand voller Leben. Begierde erfüllte ihre Gedanken. Kurz nachdem die Haustür ins Schloss fiel, erlosch das Licht im Treppenhaus.

Das Mädchen wartete. Es wartete. Und wartete. Dann endlich quälte sich eine Träne über ihre Wange. Das Mädchen lächelte, schloss die Tür und legte sich zu Bett.

Es war ein Mal…

…ein Mädchen. Klitzeklein hockte sie im Flur an einer viel zu kalten Wand und hörte Schritte sich entfernen. Es atmete nicht. Seinen Kopf vergrub es zwischen seinen Knien. Die Schritte wurden leiser. Die Haustür fiel ins Schloss. Schritte auf der Straße hallten durch das geöffnete Fenster. Jeder Schritt schmerzte. Es war ein unerträglicher Schmerz. Ein Stechen. Ein Drücken. Ein Ziehen. Implodierende Sehnsucht.

Das Mädchen blickte auf und wartete. Es wartete und atmete nicht. Es wartete. Dann endlich quälten sich zwei Tränen über seine Wange. Das Mädchen lächelte, schloss das Fenster und legte sich zu Bett.

Es war ein Mal…

…ein Mädchen. Im Mondschein sah es, wie sich die ganze herzzermahlende Schwere ihrer Seele im Wasser des Kanals spiegelte. Und wenn es sich aufmunternd über die Wange streichen wollte, zeriss die Hand sein vergeblich hoffendes Abbild und erzeugte ein Chaos aus Wellen und Blitzen. Schritte entfernten sich und waren bald nicht mehr zu hören.

Das Mädchen wartete. Das Chaos im Kanal beruhigte sich.
Es wartete weiter. Aus dem Chaos entstand nach und nach ein ruhiges, harmonisches Bild.
Das Mädchen wartete. Ein schönes Bild.
Es wartete immer noch. Der Wind spielte mit den Haaren des Mädchens.
Dann endlich! Ein, zwei, drei Tränen tanzten über die Wange des Mädchens. Es stand auf und lief. Den Kanal entlang, über die Brücke, am Brunnen vorbei und die Straße hinauf. Es lief so schnell es konnte. Es bog um die Ecke und wurde langsamer. Noch immer tanzten drei Tränen auf seiner Wange. Und vor der Haustür saß ein Junge.

Es war ein Mal…

…eine junge Frau. Sie küsste einen jungen Mann. Der junge Mann hatte eine schwierige Zeit hinter sich und noch immer waren viele Probleme nicht gelöst. Zwei Mal schien es, als würden sich die Umstände klären, die ihm die das Leben schwer machten. Zwei Mal wurde der junge Mann tief enttäuscht. Die junge Frau nahm den Mann in den Arm und sagte: „Ich weiß, was aller guten Dinge sind. Niemand weiß es besser als ich. Bald wird sich alles zum Guten wenden.“

Es war ein Mal…

…ein junges Paar. Sie standen im Türrahmen und wurden beobachtet. Aber sie bemerkten es nicht. Noch nie hatte jemand bemerkt, dass er von einer Wand beobachtet wurde. Von einer gezeichneten Wand voller Narben und Flecken. Einer Wand voller Leben.

Die Wand sah, wie der junge Mann die junge Frau zum Abschied an sich presste und ihr mit seinen Lippen, ohne ein Wort zu sagen, alles erzählte, was sein Herz ihr zu sagen hatte. Die Wand lächelte.

Geduld

-Ende-


Episode 4

-Zeit-

Einatmen:

Kälte! Beißende Kälte.
>Sie wird nicht wiederkommen. Nur die Sonne kommt wieder. Jeden Tag. Aber die Sonne kann ich nicht umarmen. Ich kann sie auch nicht küssen. Liebe bekommt der, der Liebe gibt. Der Sonne kann ich keine Liebe geben, also liebt sie mich auch nicht. Sie lacht auch nicht, sie belächelt mich.<
Ein Lied ertönt.

Jemand geht wenige Schritte. Kurze Pause. Jemand hebt etwas an. Es zischt kurz. Jemand geht weitere Schritte. Langsamer. Dann wird es windig. Reißender Wind! Jemand atmet tief ein. Jemand klettert.

Ausatmen:

Der Schwan und das Wiesel sitzen ungeduldig an ihrem Tisch. Die anderen kommen sicher bald. Hoffentlich! Bis die ersten Menschen zur Arbeit müssen, bleibt nicht viel Zeit.

Heute Nacht spielen alle, die sich über die letzten drei Wochen qualifiziert haben. Das große Pokerfinale! Dem Gewinner winkt ein ganz besonderer Preis. Er bekommt für den nächsten Monat den Schlüssel zum Futterhaus des Zoos. Die Elster hatte ihn vor einem Jahr zufällig erspäht und an sich genommen. Die Elster sitz gerne auf dem großen Gebäude direkt neben dem Zoo und schaut, wovon sie die Menschen, wie sie es nennt, ‚erleichtern‘ kann. Der Schlüssel jedenfalls war ihr größter Coup.
Nachdem sie in wenigen Wochen ihr Gewicht verdoppelt hatte, gab es im Stadtpark eine große Versammlung mit allen Tieren. Man zwang die Elster, den Schlüssel der Allgemeinheit zu übergeben und da man sich nicht darauf einigen konnte, wer letztendlich das kostbare Stück an sich nehmen sollte, wird seit dem Tag der Versammlung um den Schlüssel gespielt. Und so gab es bisher 12 verschiedene Schlüsselbesitzer, die alle sehr vorbildlich zum Wohle aller anderen die… nun ja… halblegal erworbenen Nahrungsmittel aufteilten.

Die streunende Katze eilte um die Ecke und setzte sich erschöpft an den inzwischen mit allen Teilnehmern gefüllten Tisch. „Heute werde ich gewinnen und ich werde mich dick und rund fressen, um genug Kraft zu haben, zu tun, was mich glücklich macht!“
Der Schwan lächelte verständnisvoll. ‚Die Katze kam immer zu spät. Die Katze hatte immer noch ihren verrückten Plan. Nur gewann die Katze nie. Wie sollte sie auch? Hat denn schon mal jemand eine Katze gesehen, die Poker spielt?‘ Der Schwan atmete ruhig ein. Dann atmete er aus und sah sich seine Karten an.

Luft anhalten:

Jemand steht im reißenden Wind und hält sich mit einer Hand an kaltem Metall fest.
>Wenn sie nicht zurück kommt, dann komme ich zu ihr. Ich muss nur dafür sorgen, dass sie nicht so dumm ist und es sich später anders überlegt. Vier Jahre habe ich ihr Zeit gegeben. Heute ist die Zeit abgelaufen. Ich habe es ganz genau dokumentiert, niemand kann sagen, ich hätte gehandelt ohne zu überlegen.<
Jemand versucht auf dem nassen Fensterbrett Halt zu finden. Jemand zieht und strengt sich an. Jemand strengt sich bis ans Äußerste an. Mit letzter Kraft versucht jemand, zu tun, was schon lange hätte getan werden müssen. Jemand presst die Lippen zusammen. Jemand hält die Luft an. Jemand rutscht ab.

Seufzen:

Natürlich hatte die Katze nicht gewonnen. Sie war bereits als erste ausgeschieden. Wie sollte sie auch gewinnen. Jeder weiß doch, dass Katzen unheimlich schlechte Pokerspieler sind.
Immerhin, der Schwan, der als erster Parkbewohner nun zum Zweiten mal den Schlüssel an sich nehmen durfte, versprach der Katze, dass sie wenigstens heute das Futterhaus aufschließen und sich noch vor allen anderen etwas Schmackhaftes aussuchen dürfe. Selten hatte man die Katze so freudig und zufrieden gesehen.
Der Schwan mochte die Katze. Er wusste, dass sie eigentlich noch immer eine verwöhnte Hauskatze ist und ihr das Leben im Park schwerfällt. Aber seit ihr Frauchen vor vier Jahren ins Krankenhaus musste, hat sich niemand mehr um die Katze gekümmert. Auch nicht der nette Mann, vom dem ihr das Frauchen damals immer erzählt hatte. Dieser Mann, der ihr nach zwei Wochen schon sagte, er würde sie unsterblich lieben und nie verlassen, egal was geschehe. Dieser Mann wusste vielleicht gar nicht, dass das Frauchen eine Katze hatte, die versorgt werden muss. Der Schwan hatte Mitleid mit der Katze.

Als sie zum Futterhaus kamen, stießen sie auf eine große Traube von Menschen. Menschen neigen dazu, ständig ungewöhnliche Dinge zu machen, aber mit ihrem lärmenden Auflauf voller greller Farben den Zugang zum Futterhaus zu versperren, war nun wirklich eine der größten Gemeinheiten, die der Schwan in letzter Zeit miterlebt hatte. Er blickte die Katze an. Sie sah nun gar nicht mehr zufrieden aus. Sie sah eher unglücklich aus. Der Schwan seufzte. "Wir kommen morgen wieder, liebste Katze."

Atmen:

Im achten Stock wird eine Frau wieder an ihr Beatmungsgerät angeschlossen. Sie vermisst ihre Katze. In der Ecke am Fenster liegt ein Foto.

Bild

-Ende-


Episode 3

-Sommerwolken-

Eine Wolke:

Kurz war es verschwunden. Jetzt ist alles wieder blau. Blau, blau, blau. Blaue wohlige Wärme. 22 Meter über dem Asphalt schweben die Gedanken eines jungen Mannes durch blaues Nichts. Als würde man fliegen. Oder fliegt man tatsächlich? Das Nichts wird zum Alles. Setzt er die Sonnenbrille auf, verschiebt sich die Perspektive. Sein Ipod spielt den passenden Song.

Es fühlt sich an, als klebe er an der Unterseite des Mondes und blicke auf einen gewaltigen Ozean gefüllt mit erfrischendem glasklarem Wasser. Vereinzelt überquert er bei seinem Flug über den Ozean kleine weiße Inseln. Einladende Inseln. Inseln aus purer Ruhe und Geborgenheit, so rein wie das Herz seiner Liebe. Falls er abstürzt, das steht für ihn fest, wird er sicher auf einer dieser Inseln notlanden. Dort wird er beschützt, versorgt und geliebt.

Die Insel:

Weiß! Weiß, weiß, weiß. Weißes Nichts. Umrahmt vom blauen Alles. Leise flüstert der Wind an seinem Ohr eine Melodie. Jetzt nur nicht die Augen schließen! Alles aufsaugen! Alles mitnehmen! Das Herz hat sich geöffnet. Wie die Blüte einer seltenen Blume, die verborgen im Dschungel der Emotionen gedeiht und nur von denen betrachtet werden kann, die den beschwerlichen Weg gegangen sind.

Zwei Krähen durchkreuzen die harmonische Szene. Lassen das fragile Konstrukt aus Wohlsein und Sehnsucht fast in sich zusammenstürzen. Nur eine kurze störende Sekunde. Die Blüte in der Brust des jungen Mannes weicht erschrocken zurück. Eine der Krähen dreht ihren Kopf. Sie spricht etwas, aber die Worte kommen nicht an. Grinsend setzt sie ihren Flug fort. Die Insel verblasst, das Blau scheint an Wärme verloren zu haben. Tatsächlich stürzt der junge Mann ab. Aber wo ist dir rettende Insel? Sein Blick sucht hektisch den Ozean ab.

Der Fallschirm:

Warme Lippen berühren sanft seine Wange. Eine Stirn schmiegt sich an sein Kinn, ein Arm legt sich vorsichtig auf seine Brust. Als hätte man ihm einen Fallschirm angelegt, wird sein Sturz aus der Höhe abgebremst. Da ist sie wieder! Die Insel! Kein Gedanke mehr an die Krähen. Ihm können sie nun ohnehin nichts mehr anhaben. Das Blau kehrt zurück. Das Alles. Die Geborgenheit. Und das blühende Herz. Dann wird alles weiß.

Das Dach:

Zwei Krähen entfernen sich durch die warme Luft gleitenden von dem ihnen vertrauten Häuserblock. Zurückblickend sehen sie auf dem Dach des Hochhauses ein junges Pärchen, umschlungen von farbenfrohen Schlingpflanzen. Ein gemütliches Geflecht, verziert mit wundervollen Blüten, bettet und schützt das, was die Krähen seit jungen Jahren ebenfalls verbindet. Das Krähenmännchen blickt zu seinem Weibchen. Sie blickt zurück. „Ich liebe dich!“. Beide lächeln.

Das Mädchen dreht sich zu dem jungen Mann und küsst ihn auf die Wange. Dann zieht eine Wolke auf und versperrt den Blick auf’s Dach. Selten haben die Krähen eine so wundervolle Wolke sehen dürfen. Vollkommen in ihrer Form, vollkommen in ihrem Weiß.

Nachdem die Wolke vorüber gezogen ist, blicken die Krähen noch ein letztes mal zurück. Das Dach ist leer und in der sich entfernenden Wolke erahnen sie die Umrisse einer großen, vollkommenen Blüte. Aber vielleicht täuschen sie sich auch.

Zwei Krähen fliegen Richtung Sonne. Irgendwann kann man sie vom Dach aus nicht mehr sehen.

-Ende-


Episode 2

-Hoffnung?-

19:07 Uhr:

„Nur eine. Ich brauche nur eine, um den anderen zu beweisen, dass ich noch nicht zum alten Eisen gehöre. Nur eine!“
Dann wurde es still. Nur das verliebte Mädchen auf dem Steg hinterm Haus störte die Ruhe. Sie schaute regungslos in den Himmel und tauchte in Musik ein, die früher ihr Herz erfüllte. Sie atmete schneller als sonst.

20:19 Uhr:

Noch immer hielt der Frosch Ausschau nach einer Mücke. Geduldig und erfahren wie er war, wusste er, dass er nicht wie all die jungen Frösche dem nachjagen muss was er begehrt, es wird zu ihm kommen. Aus dem Augenwinkel sah er, wie das Mädchen den Steg verließ und lautlos das Ufer des Flusses entlang taumelte. Von hier aus waren es nur wenige Schritte zum Meer, zur Freiheit, zur Sehnsucht, zum Glück. Zumindest aus der Sicht des Mädchens. So dachten die Frösche jedenfalls. Für sie allerdings bedeutete das salzige und von Feinden übersäte Meer Angst, Tragödie und Tod. Hier endete der Fluss und hier endete das Leben.
„Wohin sehnst du dich, fremdes Mädchen? Wieso verlässt du deinen Steg?“, fragte der Frosch?

Stille.

20:24 Uhr:

Ein Zettel löste sich vom Steg. Er war feucht, kalt und salzig. Als wäre er aus dem Dunkel des Meeres gerettet und dort auf dem Steg zum Trocknen abgelegt worden. Leider war es anders.

Stille.

22:42 Uhr:

„In meinen Augen wirkst du wie ein Trottel! Du könntest mich nun ganz genüsslich schnappen und fressen, doch was machst du? Du denkst noch immer, nach all diesen verlorenen Jahren hier am Fluss, du könntest ein Prinz werden? Ein menschlicher Prinz?“
Der Frosch schwamm so schnell er konnte. Es war schon dunkel und er war sich erst nicht sicher, ob er die Situation richtig deutete, deshalb hatte er gezögert. Jetzt schmeckte das Wasser schon salzig und unter sich spürte er den kalten, schuppigen Tod. Hundertfach!
„Ich sage dir, wäre das vor drei oder zwei Jahren passiert, dann wärst du sicher schnell genug gewesen, um dein Ziel rechtzeitig zu erreichen, aber nun glaube ich, wirst du es nicht schaffen. Und selbst wenn, wer glaubt wirklich daran, dass Frösche zu Prinzen werden?“
Die Mücke kehrte um. Die Flussmündung war schon einige Meter entfernt und der Wind, der vom Land aus das Flusswasser ins Meer trieb, macht den Rückflug beschwerlich. Zudem war es dunkel. Das Ufer konnte man nur noch erahnen. Die Mücke musste sich ihrer feinen Nase bedienen, um an das vertraute Ufer zu gelangen. Das, was sie am liebsten trank, wenn gleich sie es dort von den Gräsern nicht ablecken oder aufsaugen konnte, das zeigte ihr den Weg zurück.
Als sie umgekehrt war redete niemand mehr. Der Frosch war erschöpft.

Stille.

22:47 Uhr:

Der Frosch senkte seinen Kopf. Wieder und wieder hatte er es versucht, doch nun stand es fest. Dass ein Mädchen einen Jungen zu einem Prinzen küssen kann, daran glaubte er noch immer. Vielleicht war er selber inzwischen einfach zu alt. Vielleicht funktioniert es auch nur, wenn das Herz des Mädchens nicht gebrochen wurde. Er wusste es nicht. Aber er lächelte. Das erste Mal in seinem Leben hatte er nicht nur gehofft, er hatte gekämpft.

Stille.

23:04 Uhr:

Ein lächelnder Frosch sitzt auf einem leblosen Körper und treibt auf das tödliche Meer hinaus.
Am Ufer weht der Wind einen Brief an die Tür des Hafenmeisters.

Sea

-Ende-


Episode 1

-Liebe-

1. Akt:

Der Künstler betritt die Bühne.
Ein Blick nach rechts, einer nach links.
Das Orchester beginnt zu spielen:

Der Künstler stellt sich vor:
„Mein Name ist Traurigkeit. Sie alle kennen mich, sie alle verabscheuen mich. Ich jedoch nehme keine Rücksicht. Mir widerstrebt es, darauf zu achten, wer mich ertragen, wer mit mir umgehen oder wer mich einfach wieder abschütteln kann. Nur Kinderherzen möchte ich verschonen. Auch wenn es nicht immer möglich ist, aber, und das möchte ich ganz deutlich sagen, Kinderherzen werden von mir nur im Auftrag derer gebrochen, die vergessen haben, was zu schützen wichtig ist.“

2. Akt:

Ein Mädchen betritt die Bühne.
Ein Blick zum Himmel, einer in ihre leeren Hände.
Das Orchester spielt weiterhin.

Das Mädchen spricht zum Publikum:
„Mit diesen Händen hielt ich fest, was nicht festzuhalten war. Nur einen kurzen Moment verweilte ich in dem Glauben, dass das Sein sich, so wie es mir in der Quantenphysik gelehrt wurde, durch reine Vorstellungskraft manifestiert. Leider wusste ich nicht, dass die Welt um mich herum nicht logischen Befehlen meines Hirns gehorcht und auch nicht den Sehnsüchten meines Herzens Gehör schenkt. Es entsteht allein durch die Ängste meiner Seele.“
Die Traurigkeit schreitet leise im Hintergrund auf und ab.

3. Akt:

Ein Junge betritt die Bühne.
Ein Blick zum Mädchen, einer auf den Boden.
Das Orchester spielt weiterhin.

Er spricht zu dem Mädchen:
„Liebste, dir zu nehmen, was du mit allen Kräften beschützen wolltest, war nicht schwer. Dir einen gleichwertigen Ersatz zu schenken erscheint mir unmöglich.“
Die Traurigkeit richtet sich auf. In der einen Hand hält sie ein schwarzes Tuch, in der anderen eine kalte Flamme. Die Traurigkeit erlischt die Flamme mit dem Tuch. Das Tuch fängt Feuer und brennt für wenige Sekunden hell und warm, dann zerfällt es zu Asche und Staub.
Das Mädchen spricht:
„Liebster, ein Gedanke an dich reicht, um in mir zu wecken, was ewig schlief. Ich habe dir gegeben, was mich nährt, nun ist es an dir, mir Flügel zu schenken, oder mich in Ketten zu legen. Ertränke mich in der kalten Dunkelheit deiner lieblosen Seele oder lasse mich erstrahlen im Glanz deines sonnigen Herzens. Zwei Gesichter hast du gesagt, wirst du mir offenbaren, nun zeige mir, welchem ich in Zukunft gegenübertreten werde.“

4. Akt:

Ein Junge und ein Mädchen stehen, sich umarmend, auf der Bühne.
Sie blicken einander über die Schulter. Das Mädchen lächelnd, der Junge mit gesenktem Blick.
Das Orchester spielt nicht mehr.

Die Traurigkeit nimmt die Asche des verbrannten schwarzen Tuchs und malt damit auf den Boden der Bühne einen Kreis um das Paar. Die Traurigkeit wendet sich dem Publikum zu und spricht:
„Seht meine Hände! Wieder habe ich sie beschmutzt um zu schützen, was ich sonst zerstören würde. Und ihr sitzt dort und verachtet mich? Was ist euer Lächeln wert, wenn ihr nicht schafft zu schützen, was so wichtig ist? Mein Name ist Traurigkeit und ihr alle habt Angst vor mir!“
Die Traurigkeit verlässt die Bühne. Kurz sieht man noch das sich umarmende Paar, dann erlischt das Licht.

Keine Zugabe.

-Ende-